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Auswege aus der MiFID II-Falle

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oder: wie ich lernte den Short Put zu lieben

Diesmal geht es um ein Thema, das keinen direkten Bezug zu unserem Wikifolio hat. In der Finanzcommunity stößt es jedoch auf einiges Interesse. Wie in einigen Blogs schon zu lesen war, sorgen die Vorgaben von MiFID II dafür, dass man einige Fonds nicht mehr erwerben kann. Auswege aus der MiFID II-Falle scheinen jedoch zu existieren.

Unter anderem sind für den Erwerb ein KIID (Key-Investor-Information-Document) und eine Zielmarktdefinition erforderlich. Sind diese Dokumente nicht verfügbar, so ist nach unseren Recherchen ein Erwerb des Produktes tatsächlich kaum möglich bzw. Glückssache. Das bisherige Prozedere der execution-only Orders scheint unter dem MiFID-II Regime nicht mehr zulässig zu sein.

Erwerb möglich – oder doch nicht?

Im Privatvermögen des Autors befindet sich seid geraumer Zeit der ETF, der auch in dem obigen Link genannt wird. Anfang dieses Jahres wollte er diesen ETF aufstocken. Soweit der Plan.

Wo kommen wir aber hin, wenn ein Anleger plötzlich selbständig entscheidet, einen ETF aufzustocken, der nicht in Europa domiziliert ist? Ein Erwerb über die comdirect war auch nach Rückfragen nicht möglich. Es erwies sich allenfalls als möglich, die Position zu verkaufen.

Nach ein paar Tagen stellte sich jedoch heraus, dass ein Erwerb über die Commerzbank, die Konzernmutter der Comdirect (sic!), im Direktdepot scheinbar funktioniert. Da der Kurs zwischenzeitlich angestiegen war und auch der Dollar für weitere Kursgewinne gesorgt hatte, wurde eine Limitorder platziert und durch die Commerzbank auch angenommen.

Leider kam es aufgrund des fortgesetzten Kursanstiegs nicht zu einer Ausführung. Insofern bedanken wir uns an dieser Stelle zunächst bei der Bundesrepublik Deutschland dafür, uns vor einem zweistelligen prozentualen Kursanstieg geschützt zu haben.

Aber das Thema hat uns nicht ruhen lassen. Der Autor hat erneut versucht, den Fonds über einen reinen Onlinekanal zu erwerben. Er verfügt auch über ein IB Depot, und auch hier scheint ein Direkterwerb mit Hinweis auf MiFID II nicht möglich zu sein.

Optionen auf Fonds

Interessant ist nun, dass es auf diesen Fonds auch Optionen gibt, die an der Nasdaq gehandelt werden.

Option Chain des iShares Trust (REM)
iShares Trust (REM) Option Chain, Screenshot von https://www.nasdaq.com/symbol/rem/option-chain

Hier kam ein eher unkonventioneller Versuch ins Spiel. Sollte es vielleicht möglich sein, eine Option zu verwenden, um doch eine Position im gewünschten Fonds aufbauen zu können?

Dazu müsste eine Stillhalterposition eingegangen werden. Stillhalter bedeutet in diesem Fall die Verpflichtung, den Basiswert zu einem festgelegten Basispreis zu erwerben. Für diese Verpflichtung erhält der Stillhalter eine Optionsprämie. Diese grundlegende Optionsstrategie wird als Short Put bezeichnet.

Dieses Vorgehen hat gegenüber dem Direkterwerb Vorteile: Bei einer Seitwärtsbewegung bzw. einem Kursrückgang ist ein Erwerb infolge der erhaltenen Optionsprämie günstiger. Der Nachteil besteht unseres Erachtens insbesondere darin, dass der Gewinn im Falle eines starken Kursanstiegs auf die Optionsprämie begrenzt ist.

Der Autor verfügt über einige Expertise im Optionshandel und entschloss sich daher, eine Putoption zu verkaufen (zu schreiben). In der Tat erwies es sich als möglich, Kontrakte auf den Ticker REM zu handeln. Dabei wurde eine am Geld liegende Put Option gewählt. Der Basispreis betrug 45 USD die Laufzeit geht bis 21. September 2018.

Bei Veröffentlichung dieses Beitrags ist die Option noch nicht ausgelaufen. Deshalb ist noch nicht abschließend klar, ob dieses Vorgehen tatsächlich von Erfolg gekrönt sein wird. Aber im Moment sehen wir keinen Grund, warum die Lieferung der Fondsanteile nicht erfolgen sollte. Wir werden zu gegebener Zeit über das Ergebnis dieser Transaktion berichten.

Fazit

Sofern es für den gewünschten ETF eine Option Chain gibt, scheint ein Erwerb des ETF möglich zu sein. Man muss dafür eine geeignete Option ausüben, und dieses Vorgehen funktioniert trotz der MiFID II-Richtlinie.

Sollte das Experiment erfolgreich sein, bedeutet dies, dass die Umsetzung der MiFID II-Regeln zur Folge haben kann, dass dem Anleger zwar der Erwerb eines ETFs versagt werden kann bzw. muss. Einen Short Put als Erwerbsvorbereitung zu schreiben wäre jedoch zulässig.

Unabhängig davon ist das Sampling, also der direkte Kauf der größten Positionen des Zielfonds, ebenfalls möglich. Auch diese Variante führt das Ziel des Anlegerschutzes ad absurdum. Vor diesem Hintergrund gibt es nach Meinung des Autors insbesondere für tatsächliche Selbstentscheider erheblichen Nachbesserungsbedarf am MiFID II-Regelwerk.

WIe immer ersetzt diese Information keine Anlageberatung. Sie stellt auch keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar, und sie ersetzt in keinem Fall eigene Recherchen. Der Leser wird gebeten, unbedingt seine eigenen Recherchen und Überlegungen anzustellen.

Update 14.9.2018: Experimente sind gut,

aber Optionsprämien sind auch nicht zu verachten. Dank einer überraschend ausgeführten Rollorder verschiebt sich die Laufzeit unseres Short Puts nunmehr in den Oktober.

Update 17.10.2018: Cash is king,

verkündete der Autor dieses Beitrags, und rollte seinen Put ein weiteres Mal, nunmehr in den Januar. Eine eigene Bestätigung der aufgestellten These steht damit weiter aus. Nichtsdestotrotz weisen die Erfahrungen anderer Marktteilnehmer darauf hin, dass der Erwerb per Short Put tatsächlich funktioniert. Das schreibt beispielsweise Luis Pazos bereits am 28.7. um 10:29 im Kommentarbereich auf nurbaresistwahres.

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