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This time it’s different? Ein Blick auf das Börsenjahr 2018

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Statistiken zufolge entscheiden die ersten fünf Börsentage des Jahres über die Performance des gesamten Jahres. Betrachtet man die Performance des DAX seit Jahresbeginn, steht per 12.01.2018 abends schon eine Performance von 2,53 Prozent zu Buche, so dass die Chancen auf ein erfolgreiches Börsenjahr 2018 gut stehen. Hierzu finden wir einen Artikel aus dem Jahr 2013 in der WELT, indem es heißt:

„Der Januar ist ganz wichtig. Die ersten Börsentage sind entscheidend für das gesamte Jahr“, bestätigt Börsenaltmeister Heiko Thieme. Er hält beim Dax 9000 Punkte für möglich. Seinen Beobachtungen zufolge gilt der Jahresauftakt auch für die Wall Street. Steigt der weltbekannte Dow Jones in den ersten fünf Handelstagen, ist das Jahr mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit positiv. Endet der gesamte Januar im Plus, steigt die Wahrscheinlichkeit für ein positives Börsenjahr sogar auf 90 Prozent, so die Berechnungen von Thieme. 

DAX-VerlaufWir befinden uns damit im neunten Jahr einer Aufwärtsbewegung. Das ist für eine Aufwärtsbewegung eine extrem lange Zeitspanne.
Aktien erscheinen als die Assetklasse der Stunde und Dividenden sind die neuen Zinsen. Börsenblogs schießen wie Pilze aus dem Boden. Auf einigen davon lesen wir selbst übrigens gerne mit. Ein guter Ausgangspunkt dafür ist zum Beispiel  finanzblognews.de.

Das Shiller-KGV steigt

Gleichzeitig steigt das Shiller-KGV (hier für den S&P 500) in Höhen, wie sie für das bekannteste aller Crashjahre, 1929, typisch waren. Allerdings ist bis zum Wert, der am Ende der TMT-Blase im Jahr 2000 erreicht wurde, noch Luft nach oben.Zum Shiller-KGV(Quelle: http://www.econ.yale.edu/~shiller/data.htm)

Was verbirgt sich hinter dem Shiller-KGV? Zunächst einmal handelt es sich um ein Kurs-Gewinn-Verhältnis. Der Gewinn pro Aktie (z.B. 10 EUR) wird also  durch den Kurs der Aktie geteilt – zum Beispiel 10/100 = 10. Je niedriger das KGV, um so billiger ist theoretisch die Aktie. Beim Shiller-KGV wird anstelle des Gewinn eines Jahres ein Durchschnittswert über 10 Jahre verwendet, um statistische Ausreißer zu eliminieren.

Im Moment sind also noch die Daten der Finanzkrise 2008 im Shiller-KGV enthalten. Würde man diese Werte außen vor lassen, ergäbe sich ein niedrigeres KGV. Eine Fortsetzung des Aufwärtstrends im Börsenjahr 2018 wäre damit zumindest zum Teil gerechtfertigt.

This time it’s different?

Damit sind wir bei einem Argument, das immer auftritt, wenn sich Blasen bilden und die Bewertungsniveaus gerechtfertigt werden müssen: This time it’s different!

Aktuell liegt das DAX-KGV bei ca. 15. Dies entspricht im Umkehrschluss einer Rendite von 6,7%, und das ist bezogen auf eine Rendite von ca. 0,5 – 0,6% bei zehnjährigen Deutschen Staatsanleihen ein beachtlicher Aufschlag. Wenn man diesen Wert diese Renditedifferenz bzw. diesen Risikoaufschlag von ca. 6% für sich stehen lässt, so könnte für 2018 zumindest in Deutschland Grund für Optimismus bestehen.

Aber woher kommen die Unternehmensgewinne, die dieses KGV erst entstehen lassen?

It’s the Target II-Salden, stupid!

Es ist eine Binsenweisheit, dass Deutschland ein Exportland ist. Ein Großteil dieser Exporte geht in den Euroraum. Und die Bezahlung dieser Exporte erfolgt über die sogenanntenTarget II-Salden. Dabei handelt es sich um die Schulden der anderen Notenbanken des EURO-Systems – z.B. der Banque de France – bei der Deutschen Bundesbank.  Diese Target II-Salden steigen aus Deutscher Sicht seit Jahren von einem Rekordhoch zum nächsten.

Target II-Salden(Quelle: https://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Statistiken/Zeitreihen_Datenbanken/Makrooekonomische_Zeitreihen/its_details_charts_node.html?https=1&tsId=BBFI1.M.N.DE.4F.S121.S1.LE.A.FA.O.F2___T2.S._T.N.N)

Vereinfacht ausgedrückt kommt dieser Saldo durch den Überschuss der Exporte (z.B. Autos) über die Importe (z.B. Orangen) zustande. Aktuell nähern wir uns der Grenze von 1 Billion Euro. Das ist eine Zahl mit 12 Nullen. Oder, greifbarer ausgedrückt: das entspricht circa 11.000 Euro je Bundesbürger.

Die Politik erklärt uns gerne, dass es sich hierbei nur um einen Verrechnungssaldo handelt, der ohne Belang ist. Das gilt aber nur, solange man sich um die Bonitätsrisiken der Euroländer keine Sorgen machen muss – oder diese bewusst ignoriert.

Sobald Fragen hinsichtlich der Bonität der Schuldnerländer wieder relevanter werden, werden sie über die Anleihezinsen in den jeweiligen Ländern auch wieder eingepreist. Dann könnte einerseits bei Europäischen Aktien ein Rechtfertigungsgrund für die hohen Bewertungen wegfallen. Zum anderen könnte möglicherweise auch die ausländische Nachfrage nach Deutschen Gütern zurückgehen. Dies würde wiederum Gewinnrückgänge bei den exportabhängigen Deutschen Aktien zur Folge haben. Ein Faktor alleine wäre für die Deutschen bzw. Europäischen Aktien schon unerfreulich. Ein Zusammenspiel aus beiden Effekten aber könnte zumindest kurzfristig hässlich werden.

Andererseits haben die Notenbanken in den letzten Jahren durch radikale Aktionen in den Markt eingegriffen. Sie kaufen massenhaft Anleihen auf und  haben sogar Negativzinsen etabliert. Es ist zu vermuten, dass dies bei einer erneuten Krise wieder passieren wird, vielleicht sogar in noch stärkerem Maße. Aktuell befinden wir uns jedoch in einem Umfeld, in dem die Notenbanken vor dem Hintergrund des ökonomischen Rückenwindes vorsichtig den Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik proben.

Und der Markt zeigt sich sorglos

Ein wichtiger Faktor für die Situation an den Kapitalmärkten ist die Volatilität als Indikator für die Nervosität. Im Moment sollte man vielleicht besser von Sorglosigkeit sprechen. Der VIX, ein Volatilitätsindex, der sich auf den amerikanischen S&P500 bezieht, befindet sich auf einem sehr niedrigen Niveau. Bei den anderen relevanten Märkten bietet sich ein vergleichbares Bild.

VIX

Schlag nach beim Alten Fritz

Wie gehen wir nun in unserem Wikifolio mit dieser Situation um? Mit drohenden Risiken sowohl von der Zinsseite als auch von der Gewinnseite, welche von den Märkten weitgehend ausgeblendet werden? Bei einer Aufwärtsbewegung, die andererseits kann durchaus anhalten?

Im Moment gibt uns Friedrich der Große die Antwort: Wer alles verteidigt, verteidigt nichts. Mit anderen Worten: Risikoscheu wird nicht belohnt.

Wir bleiben also im Börsenjahr 2018 grundsätzlich investiert. Wir machen uns aber die niedrigen Volatiltäten zunutze, durch die wir Absicherungen vergleichsweise günstig einkaufen können. Dies wird uns bei einem Melt-up nur geringfügig Performance kosten, aber im Falle eines Melt-down hoffentlich die Möglichkeit geben, durch die Rückflüsse aus der Absicherung attraktive Titel für unser Portfolio zu erwerben, bzw. bestehende Positionen aufzubauen.

Ein Wort noch zum Risiko: Wir haben leider keine Glaskugel. Wir verfügen nur über die Informationen, die auch alle anderen Marktteilnehmer haben. Das bedeutet, dass wir falsch liegen können und möglicherweise Verluste die Folge sind. Insofern führt wie immer kein Weg daran vorbei, sich eigene Gedanken über unsere Ausführungen zu machen und zu eigenen Entscheidungen zu kommen.

Damit bleibt uns an dieser Stelle nur, allen Lesern ein erfolgreiches Börsenjahr 2018 und ein gutes Händchen für die Märkte zu wünschen.

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